Warum ein Tanja im Bücherregal etwas verändern kann
von Chaim Rittri
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Eine Blogreihe für Einsteiger und Interessierte
Tanja entdecken – Teil 5
Es gibt Bücher, die wir kaufen, lesen und danach ins Regal stellen. Aber wir kennen auch Bücher, mit denen wir eigentlich nie fertig werden. Der Tanja gehört für mich zur zweiten Sorte.
Viele lernen jeden Tag darin und beenden den Tanja auf diese Weise einmal im Jahr. Man kann aber auch immer wieder zu einem bestimmten Kapitel zurückkehren, eine Stelle suchen, an die man sich nur noch ungefähr erinnert, oder einen Absatz noch einmal lesen und feststellen, dass man ihn heute anders versteht als vor ein paar Jahren.
Dafür muss das Buch allerdings erst einmal da sein.
Warum überhaupt noch ein Buch besitzen?
Die Frage ist heute durchaus berechtigt. Fast alles lässt sich online finden, auch der Tanja. Warum also ein Buch kaufen und ins Regal stellen, wenn man den Text innerhalb weniger Sekunden auf dem Bildschirm haben kann?
Ein Buch, das bei uns zu Hause steht, gehört anders zu unserem Leben. Wir sehen es und können es jederzeit in die Hand nehmen. Es kann durchaus monatelang unberührt im Regal stehen, bis eines Abends eine Frage auftaucht und wir es doch herausziehen.
Bei einem Link passiert das eher selten.
Der Lubawitscher Rebbe hat immer wieder darüber gesprochen, dass jüdische Bücher ihren Platz im jüdischen Zuhause haben sollten. Die Initiative dafür trägt einen schönen Namen: "Bajit Male Sefarim" – ein Haus voller Bücher.
Dabei ging es dem Rebben keineswegs um Bücher als Dekoration. Im Gegenteil: Der Rebbe sagte über jüdische Bücher, dass wir ihnen gerade dadurch Ehre erweisen, dass wir sie benutzen und aus ihnen lernen. Ein Buch, das vom Gebrauch irgendwann abgenutzt ist, hat seinen Zweck offenbar besser erfüllt als eines, das vollkommen unberührt im Regal steht.
Beim Tanja ging der Rebbe noch einen Schritt weiter
Der Tanja hatte dabei einen besonderen Stellenwert. Ende der 1970er-Jahre begann auf Initiative des Rebben etwas ziemlich Aussergewöhnliches: Der Tanja sollte überall auf der Welt gedruckt werden, wo Juden leben.
Warum dieser Aufwand? Man hätte doch einfach bereits gedruckte Exemplare dorthin schicken können. Der Rebbe erklärte, dass durch das Drucken vor Ort eine stärkere Verbindung zum Tanja entstehen und damit auch der Wunsch geweckt werden sollte, darin zu lernen.
Und es blieb nicht beim Drucken. Der Rebbe verteilte bei verschiedenen Gelegenheiten selbst Exemplare des Tanja. Am 11. Nissan 1984 etwa wurde die tausendste Ausgabe verteilt, und jeder Anwesende erhielt ein Exemplar.
Der Tanja sollte also zu den Menschen kommen – nicht als ein Buch, das man ehrfürchtig ins Regal stellt und dort stehen lässt, sondern als ein Buch, das man zur Hand nimmt und aus dem man lernt.
Und dann steht er im Bücherregal
Bevor ich ein Buch aufschlagen kann, muss ich es erst einmal haben. Das klingt banal, ist es aber eigentlich nicht.
Wenn ein Tanja bei mir im Regal steht, muss ich mir nicht gleich vornehmen, von morgen an jeden Tag Chassidismus zu lernen. Irgendwann möchte ich vielleicht noch einmal nachlesen, was dort über die beiden Seelen steht. Oder über den Benoni. Oder darüber, warum ein Mensch Gedanken haben kann, die er eigentlich gar nicht haben möchte.
Dann nehme ich das Buch heraus und lese nach. Drei Seiten vielleicht, oder auch nur eine.
Der Tanja ist ohnehin kein Buch, bei dem es darauf ankommt, möglichst schnell auf der letzten Seite anzukommen.
Ein Buch verändert noch keinen Menschen
Ein Tanja im Bücherregal macht niemanden automatisch zu einem anderen Menschen. Aber die Bücher, die wir in unser Zuhause holen, sagen durchaus etwas darüber aus, womit wir uns beschäftigen und was uns wichtig ist.
In den ersten vier Teilen von Tanja entdecken haben wir uns mit einigen der grossen Fragen dieses Buches beschäftigt: mit seinem Menschenbild, mit dem Benoni und mit dem täglichen inneren Kampf, den der Tanja nicht als Zeichen des Scheiterns versteht.
Wer den Tanja bisher nur aus dieser Blogreihe oder aus einzelnen Texten kennt, könnte ihn nun auch einmal selbst zur Hand nehmen. Nicht nur, um ihn zu besitzen, sondern um darin nachlesen zu können, wenn eine dieser Fragen wieder auftaucht.
20 % auf Das Buch Tanja
Passend zu diesem fünften Teil unserer Reihe möchten wir es etwas leichter machen, einen Tanja ins eigene Bücherregal zu stellen.
Bis Sonntag, 20. September, Erew Jom Kippur, gibt es die deutsche Ausgabe von Das Buch Tanja bei Books’n Bagels mit 20 % Rabatt:
statt EUR 53,00 nur EUR 42,40.
Und wenn er erst einmal im Regal steht, wird er hoffentlich nicht immer dort stehen bleiben.
In der nächsten Folge von „Tanja entdecken“
In Teil 6 wird es etwas zu entdecken geben, über das wir bisher noch nicht gesprochen haben. Mehr möchten wir an dieser Stelle noch nicht verraten.
Nur so viel: Es hat mit dem Tanja zu tun – und wir freuen uns schon seit einiger Zeit darauf, davon erzählen zu können:
Tanja entdecken – Teil 6: Eine überraschende Neuigkeit
Tanja entdecken – die Reihe
← Teil 1: Was ist das Buch Tanja?
← Teil 2: Warum der Tanja heute aktueller ist denn je
← Teil 3: Fünf häufige Missverständnisse über das Buch Tanja
← Teil 4: Der Benoni – das Menschenbild des Tanja
→ Teil 6: Eine überraschende Neuigkeit (erscheint demnächst)