Tu BeAw – der Feiertag der Liebe, der tiefer geht

Tu BeAw – der Feiertag der Liebe, der tiefer geht

von Chaim Rittri

Wenn von jüdischen Feiertagen die Rede ist, an welche denkt ihr zuerst? Pessach, Rosch Haschana oder Chanukka vielleicht?

Tu BeAw hingegen bleibt oft im Hintergrund.

Und doch sagt die Mischna etwas Erstaunliches: Es gab keine größeren Festtage für Israel als Jom Kippur – und Tu BeAw!

Wie kann ein Tag, der keine besonderen Gebete kennt, an dem keine Feiertagskerzen angezündet werden und an dem keine besonderen Mizwot erfüllt werden, zu den größten Feiertagen des jüdischen Jahres gehören?

Die Antwort führt uns mitten ins Herz der Chassidus.

Dass die Mischna Jom Kippur und Tu BeAw im selben Atemzug nennt, ist kein Zufall. Jom Kippur ist die Tiefe der Umkehr und Vergebung. Und Tu BeAw offenbart dieselbe Verbindung in Form von reiner Freude und Liebe, jenseits von Leistung oder äußerer Form. 

Mehrere schmerzhafte Trennungen der jüdischen Geschichte wurden an diesem Tag aufgehoben und das sieht Chassidus nicht nur historisch, sondern als spirituelles Thema. Wenn Grenzen fallen kann Einheit spürbar werden, zwischen Mensch und G’tt und zwischen den Menschen selbst. 

Der Lubawitscher Rebbe sieht in den länger werdenden Nächten nach Tu BeAw ein Bild für das Leben selbst. Dunkelheit ist nicht nur etwas, das wir ertragen müssen – sie eröffnet uns die Möglichkeit, Licht in die Welt zu bringen. Gerade dann, wenn vieles kalt oder hoffnungslos erscheint, können wir mit Gedanken, Wort und Tat Wärme, Hoffnung und Verbundenheit schenken. Denn Licht wird nicht trotz der Dunkelheit bedeutsam, sondern gerade durch sie. 

Und die berühmten Tänze der jungen Frauen, von denen die Mischna erzählt, werden nicht als oberflächliches Werben verstanden, sondern als Hinweis, den Menschen, die Seele im Anderen zu sehen statt Status oder Äußerlichkeiten. 

Viele sehen in Tu BeAw auch einen Vorgeschmack auf die künftige Erlösung, eine Welt, in der Verbundenheit nicht erkämpft werden muss, sondern einfach da ist. Also ein Tag, an dem spürbar wird, was im Tiefsten immer wahr ist: Die Verbindung zwischen G”tt und dem jüdischen Volk ist unzerbrechlich und in ihrem Kern voller Freude.

Vielleicht ist Tu BeAw deshalb einer der größten Feiertage des jüdischen Jahres. Nicht weil an diesem Tag etwas völlig Neues geschaffen wird, sondern weil sichtbar wird, was immer schon wahr war: Die tiefste Verbindung zwischen Haschem und der jüdischen Seele kann verborgen sein, aber sie geht niemals verloren.

Und vielleicht ist genau das auch eine Botschaft für uns alle: Wahre Verbundenheit entsteht nicht erst dann, wenn alles perfekt ist. Sie beginnt dort, wo wir lernen, hinter Unterschiede, Verletzungen und Äußerlichkeiten zu schauen – und das Gemeinsame wiederzuentdecken, das uns im Innersten verbindet.

Zwei Bücher, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit zwei Grundthemen des Lebens beschäftigen: Liebe und Freude.

Passend zu Tu BeAw möchten wir Ihnen deshalb zwei Bücher empfehlen, die sich mit zwei der schönsten Gaben des Lebens beschäftigen: Liebe und Freude.

Wird denn niemand mehr rot?
Simcha – Das Buch zur Freude