Purim kann man leicht für eine alte, schöne Geschichte halten. Doch eigentlich erzählt sie von unserem Alltag – und davon, wie wir daraus ausbrechen können.
Im Talmud steht: Wer die Megillat Esther „rückwärts“ liest, erfüllt seine Pflicht nicht. Gemeint ist zunächst ganz praktisch: Man kann nicht mit dem letzten Kapitel beginnen, nur um schnell zu sehen, wie alles ausgeht – und auch nicht irgendwo in der Mitte einsteigen. Der Baal Schem Tow sah darin eine tiefere Bedeutung: Wer die Megilla nur als Bericht aus längst vergangener Zeit liest, liest sie ebenfalls rückwärts – und verpasst ihren Kern.
Die Purimgeschichte handelt von Menschen, die in unsicheren Zeiten zu ihrer jüdischen Identität stehen. Und von G-tt, der sich im Verborgenen zeigt und darauf wartet, dass wir Ihn entdecken. Sie erzählt vom Mut, den eigenen Auftrag nicht aus den Augen zu verlieren. Es ist nicht nur ihre Geschichte damals – es ist auch unsere.
Wenn uns die Megilla fragen lässt: Wer bin ich? Wofür bin ich hier? – dann lesen wir sie richtig, von vorn.
Purim 2026 beginnt am Montagabend, 2. März, und dauert bis Dienstag, 3. März.
Lass uns die Geschichte diesmal von vorn lesen.