Die fünfte Frage – was Kinder uns über Freiheit lehren

Die fünfte Frage – was Kinder uns über Freiheit lehren

von Chaim Rittri

Gedanken zum Sederabend und zur Bedeutung von Freiheit an Pessach

Am Sederabend stellen Kinder die berühmte Frage:
„Warum ist diese Nacht anders als alle anderen Nächte?“

Vielleicht ist diese Frage zugleich der Schlüssel zur tiefsten Botschaft von Pessach!


Die Frage am Sedertisch

Ma nischtana halajla hasé?
„Warum ist diese Nacht anders als alle anderen Nächte?“

Diese Frage erklingt jedes Jahr am Sedertisch. Die Kinder stellen sie – neugierig und erwartungsvoll. Und wir antworten: „Weil wir Pharaos Sklaven in Ägypten waren und G"tt uns von dort herausgeführt hat.“

Doch hinter dieser Antwort verbirgt sich noch eine weitere Frage.


Was bedeutet Freiheit?

Sind wir wirklich frei?

Kann man frei sein, wenn man Verpflichtungen hat, Rechnungen bezahlen muss und den Erwartungen der Gesellschaft begegnet? Ist man frei, wenn man eine feste Anstellung hat? Oder vielleicht erst dann, wenn man keine Arbeit mehr hat?

Freiheit gehört zu den großen Sehnsüchten des Menschen. Kaum ein Wort übt eine so starke Anziehungskraft aus – und zugleich scheint es oft schwer zu erreichen.

Wie können wir den Anforderungen und Sorgen des Alltags begegnen und dennoch innerlich frei bleiben?

Vielleicht liegt ein Teil der Antwort direkt vor uns am Sedertisch.


Die Freiheit eines Kindes

Schauen wir auf ein Kind.

Wenn ein Kind im Schlaf lächelt, getragen von der Gewissheit, dass seine Eltern für es sorgen und es schützen, dann ruht es in einer besonderen Freiheit. Gelassen wächst es, entdeckt die Welt und ist offen für ihre Möglichkeiten.

Vielleicht ist Pessach deshalb in vieler Hinsicht ein Fest der Kinder.

Kinder können in uns ein Gefühl wecken, das wir als Erwachsene manchmal verlieren: das Vertrauen, dass wir letztlich nicht allein durch das Leben gehen. Die Tora erinnert uns daran, dass wir alle Kinder G"ttes sind.


Mizrajim – die Enge

Als G"tt uns aus Mizrajim herausführte, befreite Er uns nicht nur aus der Knechtschaft Ägyptens.

Das Wort Mizrajim bedeutet auch Enge oder Begrenzung.

Der Auszug aus Ägypten erinnert uns deshalb jedes Jahr daran, dass Freiheit mehr ist als ein historisches Ereignis. Er zeigt uns, dass wir die Fähigkeit besitzen, uns immer wieder aus innerer Enge zu lösen – aus Angst, Gewohnheiten oder dem Gefühl, gefangen zu sein.


Das Kind im Mittelpunkt des Seders

Darum steht das Kind – auch das innere Kind der Erwachsenen – im Mittelpunkt des Seders. Der ganze Ablauf des Abends ist darauf ausgerichtet, seine Neugier zu wecken – bis schließlich die Frage erklingt:

„Was ist an dieser Nacht anders als an allen anderen Nächten?“

Das Kind fragt – und wir antworten.

Doch vielleicht geschieht gleichzeitig noch etwas anderes: Während wir erklären, zeigt uns das Kind selbst eine tiefere Antwort.

Wenn wir unser Kind am Pessachabend aufmerksam betrachten und versuchen, für einen Moment die Welt durch seine Augen zu sehen, können wir vielleicht einen kleinen Geschmack jener Freiheit erfahren, von der Pessach erzählt.


Die Geschichte weitergeben

Am Sederabend wird die Geschichte des Auszugs aus Mizrajim von Generation zu Generation weitergegeben.

Die Haggada hilft uns dabei, diesen Abend zu strukturieren, Fragen zu stellen und Antworten zu entdecken.

Bei Books’n Bagels finden Sie sorgfältig ausgewählte Haggadot, Bücher und Inspirationen rund um Pessach – für einen Seder, der Gespräche öffnet, Fragen weckt und die Geschichte der Freiheit lebendig werden lässt.

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